Isa Hörmann Autorin Österreich
Begegnungen,  Isa Hörmann

Don´t forget the Hanuman

Wenn ich etwas zum ersten Mal sehe. Wahrnehme. Mit allen Sinnen spüre. Dann fühle ich mich neu. Meine Augen leuchten im Feuer und kindliches Staunen ist der Zündstoff meines Denkens.

Meine Ausbildung zur Yoga Lehrerin ist jetzt vorbei. Ich bin an meine Grenzen gestoßen. Habe mich über sie hinweg gesetzt. Der 200h Basislehrgang wird mit der krönenden Intensivwoche zu Ende gebracht. Noch bin ich am Reflektieren. Am Verarbeiten. Am Danken.

Für die ersten drei Tage der Abschlusswoche ist ein Thai Yoga Massage Workshop geplant. Ein begnadeter Therapeut aus Belgien lehrt uns. Er spricht Englisch. Sein französischer Akzent schenkt den Worten Zauber.

18 SchülerInnen, bereit zu lernen. Anatomisches Wissen paart sich mit einer mir bisher unbekannten Ehrfurcht vor dem menschlichen Körper.

Wir sind draußen unter freien Himmeln. Es ist warm. Der Wetterstein zeichnet Erinnerungen, während ein mächtiger Adler seine Kreise über uns zieht.

Erste schüchterne Schritte. Eine sanfte Einladung, auf die Matte zu gehen.

Wir bilden einen Kreis um sie. Sind gespannt, was geschehen wird.

„I need a volunteer.“

Er kniet zu ihren Füßen. Gebräunte Hände ruhen im Anjali Mudra vor seiner Brust.

Connection.

Die Augen geschlossen. Eine wundersame Energie liegt in der Luft. Als könnte man unsichtbare Farben sehen.

Sanft berührt er ihre Füße und beginnt seine Hände zu bewegen. Der Energiefluss geht auf ihren Körper über. Ihre Seelen verschmelzen. Wir sind Zeugen eines magischen Moments. Pure Hingabe.

Die Thai Yoga Massage wird auch als heiliger Tanz bezeichnet. Zwei spirituelle Herzen berühren sich. Für den Giver wie auch für den Receiver ist diese energetische Körperarbeit wie eine Meditation in Bewegung. Eine transformative Reise, tiefste Empfindungen in allen Aspekten unseres Seins.

Wir dürfen lernen. Loslassen. Von Yoga inspirierte Haltungen. Rhythmisch. Koordiniert mit der Atmung. Es ist Ruhe in Bewegung. Körperstrukturen bekommen Raum, Energieblockaden werden gelöst. Ein holistisches Wunderwerk.

Wir probieren aus, was uns gezeigt wird und bekommen eine Ahnung davon, dass wir uns ergänzend zur Yogapraxis etwas Wertvolles aneignen. Besonders innig die Erkenntnis, wie kostbar das Geben ist.

„You are the drop and you are the ocean.“

Alles ist miteinander verbunden. Der heilige Tanz. Eine Kunst spiritueller fernöstlicher Weisheit in Symbiose mit osteopathischen Elementen.

The Hanuman Dance

Hanuman. Eine hinduistische Gottheit in Affengestalt. Magische Fähigkeiten werden im nachgesagt.

Seine Beine fliegen über sie. Mühelos wechselt er die Seite.

„Don´t forget the Hanuman,“ sagt er lächelnd vor unserer Prüfung.

Ich vergesse ihn. Zwischen all dem Zauber. Leise tanze ich eine Variante. Mir wird bewusst, dass die Intuition der Schlüssel ist. Was braucht die Person, die sich meiner anvertraut?

Ich werde sie vermissen. Die lieben Menschen an meiner Seite. Die Emotionen, die uns einander näher bringen.

Und diese abenteuerliche Reise, die noch lange nicht zu Ende ist…

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