Begegnungen,  Isa Hörmann

Eine kleine Geschichte des Dankens

Es ist kein Geheimnis, dass ich Hände liebe. Sie sind in der Lage, Grenzen zu sprengen, Hände beschützen, fühlen, bringen Gedanken zu Papier, sie schaffen Kunst. Eine Hand, die sanft auf der Schulter eines Menschen liegt, spendet wortlos Trost und eine einzige Berührung kann, so sich Hände finden, die bedingungslos zusammen gehören, für immer währen.

Seit einigen Jahren arbeite ich in einem Wellnesshotel in Tirol. Ein kleiner Landgasthof am Sonnenplateau Mieming, dieser sich über Jahrzehnte in ein weitläufiges Gesundheitsresort entwickelt hat. Die Gasteberfamilie Pirktl hat das Haus durch unermüdliches Engagement zu einem Ort der herzlichen Begegnung, des Wohlfühlens und der gelebten Gastfreundschaft gemacht.

Das Thema der Nachhaltigkeit rückt mehr und mehr in den Fokus unseres Tuns. Als wir damit begonnen hatten, im Zeichen der Sustainable Developement Goals Maßnahmen umzusetzen, stellte ich mir die Frage, wie wir es als Gesundheitshotel mit Schwimmbäder und Saunen, also einem hohen Energieverbrauch, jemals schaffen können, nachhaltig zu sein. Motiviert und mit großer Bereitschaft begannen wir, auf allen Ebenen Schritte für die 17 definierten Ziele der nachhaltigen Entwicklung umzusetzen. Jeder noch so kleine Erfolg stärkt uns im Team und beflügelt uns, immer weiterzugehen, Ideen zu sammeln und uns zu verbessern.

“Blitzlicht”, so der Name der wöchentlichen Kurzschulungen zu wechselnden Schwerpunkten. Neulich haben wir ein Themenfeld besprochen, welches noch immer in mir nachwirkt. Als Pendant zum ökologischen Fußabdruck, der aufzeigt, was Mensch sozusagen alles “falsch” macht, nahmen wir uns den ökologischen Handabdruck vor, ein Ausdruck jener Schritte, die wir umsetzen können, im Unternehmen, aber auch als Einzelperson, um einen positiven Effekt auf unsere Umwelt und auch auf die Gesellschaft auszuüben. Ein Handabdruck, welch starkes Symbol für mehr Lebensqualität, mehr Zusammenhalt und für ein besseres Nachhaltigkeitsbewusstsein.

Seit dem 19. Mai dürfen wir nach vielen Monaten der Dürre endlich wieder Gäste empfangen. Das Leben, das Lachen, die Farben – alles ist zurückgekehrt. Demut und Dankbarkeit begleiten uns in dieser außergewöhnlichen Zeit. Wir wurden eingeladen, alle von uns, als Dankeschön von unseren Chefs, für eine Nacht im Hotel, zum Wohlfühlen und Genießen, Unternehmertum at its best.

Mit meiner Familie durfte ich Gast sein, im Hotel. Wir wurden mit derselben Hingabe und Herzlichkeit verwöhnt, wie unsere Gäste. In so einem Betrieb arbeiten zu dürfen, erfüllt mich mit Freude. Ein Betrieb, der Wertschätzung lebt, ein Unternehmen, in dem einander die Hände gereicht werden.

“Wo ist die zweite Ananas?”, fragte sich meine Große. “Gestern war sie noch da.” Ihre Beine baumelten ins Wasser. Als wäre es so gewollt, lugte der gelbe Reifen alsbald unter dem Steg des Badeteichs hervor. So schnappten sich beide Töchter eine Ananas und ließen sich sonnenbeglückt treiben.

Ich spüre die Worte, die ich schreibe. Berühren möchte ich. Erkennen. Und manchmal auch Eis brechen ... Debütroman "Dünnes Glas", 2019 | "Mein Blau" Life is a Story, 2020 | "Die Traumwächterin" Life is a Story, 2021 | Schwarz Blog | Kurzgeschichten auf story.one

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.