Isa Hörmann

Nacht des Malheurs

Es ist dunkel draußen und mir ist heiß. Ich schnappe mir Felix, um mich abzukühlen. Hinaus in den Regen! Die frische Luft tut gut, ich inhaliere die Nässe des Herbstes.

Samstag Nacht. Mein Mann ist nicht zu Hause und es gelingt mir, die Mädchen bis 22.00 Uhr ins Bett zu bringen. Diese Deadline hatte ich bereits beim Abendessen in den Raum geworfen. Mit Nachdruck. Einen Musikfilm möchte ich mir ansehen, dazu ein Glas Cuvée und den Ausblick in den Nachthimmel genießen. Das wäre mein Plan.

Unser Welpe ist versorgt, die Mädchen geben keinen Mucks mehr von sich und es wird leise im Haus. Entspannt setze ich mich auf den Teppichboden, stelle mein Weinglas neben mir ab und möchte den Film auswählen.

Plötzlich schießt Felix im Eiltempo um die Ecke, es folgt eine scharfe Linkskurve, er hüpft über meine Beine und – wie soll es anders sein – wirft mit voller Wucht das Weinglas um. Ich hätte es wissen müssen. Wie konnte ich nur so dumm sein und ein Getränk auf dem Boden platzieren!

Ein weinroter Fluss zieht sich über unseren Langflor Teppich. Felix stürzt sich darauf, möchte auch noch davon kosten und ich habe zu tun, ihn davon abzuhalten. Genervt schimpfe ich ein bisschen, doch sein Homerun geht unbeeindruckt weiter. Während ich Lappen und Salz hole düst Felix voller Energie durch den Wohnraum. Schuhe, Socken, Spielsachen – nichts ist vor ihm sicher. Meine ältere Tochter hört das Theater und tapst über die Treppe nach oben.

„Was ist denn hier los?“

Mein Haar zerzaust, eine kurze Erklärung. Übermütig läuft Felix läuft seine Runden, rastlos, und ich bitte mein Mädchen, auf ihn aufzupassen. Der Fleck wird schon wieder rausgehen, denke ich mir.

„Mama, Felix kackt gerade!“

„Was!? Nein! Halt ihn auf!“

„Ist schon passiert …“

Nicht ein Häufchen, nein, es sind drei! Im Abstand von jeweils 30 Zentimetern, als hätte er es ausgemessen. Um Fassung ringend hole ich Eimer, Wasser, Bürste und Reinigungsmittel, beseitige das Unglück und schrubbe auf allen vieren den Boden. Mein Kind lüftet inzwischen und möchte Felix besänftigen. Es gelingt ihr nicht, denn er hat sich gelöst und dementsprechend vergnügt ist seine Laune.

Irgendwann ist auch dieses Malheur bereinigt. Trotz ihres verlockenden Angebots auf den Hund aufzupassen, damit ich den Film „in Ruhe“ genießen kann, schicke ich meine Nachteule wieder ins Bett. In dem Moment der Stille, gerade, als ich mich setzen möchte, blickt mich der kleine Gauner an und pinkelt auch noch frech auf den Dielenboden!

Nach einer dreiviertel Stunde ist alles erledigt. Ich bin es auch. Felix sitzt vor mir, schaut mich mit seinen Knopfaugen an – sein Köpfchen zur Seite geneigt – und ich kann ihm einfach nicht böse sein.

Der Hund muss in der Nacht noch zweimal raus, die Kleine krabbelt um 4.00 Uhr zu uns ins Bett und meine Große finde ich schlafwandelnd im Flur vor. Was für eine Nacht!

Dazwischen habe ich die Dunkelheit genossen und mich eingehüllt, in ihren Schutz. Um ein bisschen Kraft zu tanken, für unser nächstes Abenteuer …

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