Isa Hörmann

Reduktion

Worauf kommt es an im Leben? Wonach sehnt es mich? Wofür bin ich auf die Welt gekommen?

Vielleicht liegt es am Älterwerden. Oder an der Essenz meines Yoga-Weges. Es ist wohl eine Symbiose von beidem. Immer mehr Fragezeichen in meinem Denken.

Mich mir selbst zu stellen, ist meine schwierigste Prüfung. Fakt ist: ich sauge alles in mich auf. Bin ein Schwamm ohne Boden. Und suche den Halt.

Wenn man sich solchen Lebensthemen hingibt, wählt man entsprechende Literatur und unterhält sich mit Menschen, die sich ebenso damit beschäftigen. Zu hinterfragen bringt noch mehr Fragen. Es ist anstrengend. Aber es geht auch eine tiefe Dankbarkeit daraus hervor.

„Reich beschenkt“ bin ich bereits. Ich habe eine wunderbare Familie. Ein Zuhause. Gute Freundinnen. Da sind Menschen, die mich lieben. Der Wald befindet sich Gehweite. Ich bin gesund und übe einen Beruf aus, der mich mit Freude erfüllt.

Manchmal schleicht sich jedoch ein schlechtes Gewissen ein. Verdiene ich das alles? Habe ich zu viel? Wo es doch unzählige Menschen auf der Welt gibt, denen es schlecht geht. Gebe ich genug? Bin ich genug?

In seinem Meisterwerk „Haben oder Sein“ hat sich Erich Fromm intensiv mit den Bedürfnissen, Erwartungen und wirtschaftlichen Systemen auseinander gesetzt. Neben ihm noch viele andere SchriftstellerInnen und Persönlichkeiten. Wichtige Denkanstöße in Zeiten, die von Globalisierung und Kapitalismus geprägt sind.

Zu filtern macht Sinn, um der Sache auf den Grund zu gehen. Reduktion. Mein Schlüssel? Wofür weiß ich noch nicht genau, doch es fühlt sich gut an.

Ich hatte mich entschlossen, das Jahr 2020 so konsumreduziert wie möglich zu gestalten. Meine letzte Investition 2019 war eine indische Mala, Fair Trade produziert. 108 Perlen aus Sandelholz, die mich dabei unterstützen sollten, in die Stille zu gehen. Die Mala begleitet mich, lenkt meinen Fokus auf das Jetzt.

Nun ist ein gutes halbes Jahr vorüber. Keine neuen Sneakers oder Jeans. Keine Magazine. Nichts, was es eigentlich nicht braucht. Endlich nutze ich die Zeit, um meine ungelesenen Bücher zu genießen.

Nie habe ich über meine Verhältnisse gelebt oder mit Geld um mich geworfen. Doch jetzt mache ich die Erfahrung, wie befreiend es sein kann, nichts zu kaufen. Verzichten und weniger zu verschwenden bedeuten für mich, dass ich immer klarer werde. So mancher Ballast fällt allmählich ab.

Für alle, die sich um die Wirtschaft sorgen… Ich schenke gerne. Meine Kinder erhalten alles, was sie benötigen. Ich verbreite kleine Freuden und überrasche Menschen, die mir am Herzen liegen, mit einem liebevoll ausgewählten Geschenk.

Man sollte sich als Konsument nicht schuldig fühlen müssen. Wir könnten uns öfter damit auseinandersetzen, dass die meisten Produkte des Handels unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden und zu Lasten der Umwelt gehen. Wie kann das legal sein?

Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt für einen Neubeginn. In kleinen Schritten Großes bewirken…

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.