Isa Hörmann Autorin Österreich
Begegnungen,  Isa Hörmann

WALDGEFLÜSTER

WALDGEFLÜSTER 

Von Jahr zu Jahr erlebe ich den Wald neu. Sein Klang ist die Stille. Wenn ich barfuß über den Waldboden laufe, spüre ich mein Herz schlagen. Es ist ein Gefühl von Heimat. Im Wald atme ich anders. Tiefer. Achtsamer und voller Demut.

MIT ALLEN SINNEN erLEBEN

Schon als kleines Mädchen verbrachte ich viel Zeit in den Wäldern. Da waren Wanderungen mit meinen Großeltern, das Beobachten des Wildes in frühen Morgenstunden – Rehe und Hirsche, die majestätisch im Grün verschwinden – das Staunen über die Schönheit der Natur, spielerisches Lernen durch Erleben, Licht und Schatten, das Entdecken der Jahreszeiten. Die Gerüche, die ich damals inhalierte, sind heute dieselben. Sie sind mir vertraut und ich erinnere mich an frühere Tage.

DER GESCHMACK DER FREIHEIT

In meiner Schulzeit durfte ich erfahren, dass der Wald „Freiheit“ für mich bedeutete. Keine Eltern, keine Schwester, keine Aufpasser. Nur meine Freunde und ich. Wir gründeten unsere erste „Bande“, bauten Baumhütten, zofften und versöhnten uns mit den anderen Waldgeistern, die etwas älter waren als wir. Gemeinsam verwandelten wir den Forst in eine einzige Spielwiese, es war unser Revier. Wir waren schwerelos glücklich.

RAUCHZEICHEN WIDER WILLEN 

In der Jugend versteckte ich mich mit meinen Freundinnen im Wald, um heimlich Zigaretten zu rauchen und dabei pausenlos über Jungs, Schule und unsere Träume zu quatschen. Wir diskutierten, was das Zeug hielt und tauschten Erfahrungen aus. Die Bäume hörten uns zu und versiegelten unsere Geheimnisse. Was haben wir gelacht!

MEIN FREUND FELIX

An verträumten Tagen spazierte ich mit meinem Hund Felix in den Wald. Er konnte meine Gedanken lesen, er spürte, was ich spürte. Wir hatten eine Lichtung entdeckt. Sie gehörte nur uns. Während Felix Schmetterlinge jagte, las ich Bücher oder schrieb ich in mein Tagebuch und sehnte mich nach einem Gefühl, das ich heute noch in mir trage. Nie werde ich das Sonnenlicht vergessen, welches in diesen Momenten über die Baumwipfel auf uns leuchtete.

IN ALLEN FARBEN 

Irgendwann gab es auch Küsse zwischen den Bäumen und später noch etwas mehr, waldbedeckt … auch das ist Leben.

WALDSEELIGKEIT

Heute fühlt sich der Wald wie eine Mediation für mich an. Ich nehme bewusst wahr, was ich sehe und spüre. Dort fühle ich mich geborgen. Die Vögel singen nur für mich. Der Wald spendet Trost. Er ist immer da. Es sind glückliche Augenblicke, ohne Raum und Zeit.

Ich bin waldverzaubert … und begegne mir selbst. Wem begegnest du?

Deine Isa 

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